My Pulp Life #12
Begegnung.
Es wird schon hell, als ich angetrunken aus dem Irish Pub stolpere und in Richtung Süd Bahnhof laufe, in der Hoffnung schnell ein Taxi zu bekommen. Die Nacht war gar nicht so schlecht, habe von irgendwelchen Typen jede Menge Guinness ausgegeben bekommen, und mit einem Mädel heftig geflirtet, deren Namen ich nicht mehr weiß. Ich laufe an einer jungen Frau vorbei, die eine Zigarette raucht und mich anlächelt, der ich aber bis auf einen flüchtigen Blick kaum Beachtung schenke.
<< Misjö >>, ruft sie mir hinterher, was ich aber nicht wahrnehme, und deshalb weiterlaufe.
<< Misjö >>, ruft sie erneut, und diesmal drehe ich mich um.
<< Ja >>, sage ich unsicher, nicht wissend, ob ich auch gemeint bin.
<< Bringst du mich heim? >>, fragt sie.
<< Was willst du? >>
<< Ob du mich heim bringst? >>
<< Wieso? >>
<< Wieso nicht? >>
<< Du kennst mich doch gar nicht. >>
<< Und? >>, sagt sie und lächelt dabei.
Ich wittere schnellen und unkomplizierten Sex mit einer Unbekannten, die zwar nicht meinem Typ von Frau entspricht, aber auch nicht schlecht aussieht.
<< Wohnst du weit weg von hier? >>
<< Nein, grad da vorne. >>
<< Gut, lass uns gehen. >>
<< Ich bin Anna. >>
<< Paul. >>
Anna ist eine kleine zierliche Person, mit dunkelbraunen, schon fast schwarzen Haaren. Sie hat etwas Strenges an sich. Es sind noch nicht mal zehn Minuten bis zu ihrer Wohnung. Auf dem Weg betreiben wir lockeren Small Talk, in dem wir uns einander erzählen, wo wir in dieser Nacht waren und was wir gemacht haben. Vor ihrer Wohnungstür erwähnt sie, dass sie bis vor kurzem noch studiert habe, damit aber aufhören musste, weil sie das Ganze nicht mehr ertragen habe. Sie sei zurzeit etwas psychisch labil. YES, leichte Beute denke ich mir und frage sie, ob ich mit rein kommen darf. Während eine immer stärker werdende Erektion in meiner Hose pocht.
<< Klar, aber bevor wir rein gehen, muss ich dir noch was sagen. >>
<< Und das wäre? >> frage ich mit einem Schmachtblick.
<< Ich habe einen Freund. >>
<< Ja …. und weiter? >> frage ich unbeeindruckt.
<< Na ja, er ist da, ich meine in meiner Wohnung. >>
Die Erektion ist weg.
<< Oh, >> sage ich, und meine Hoffnung auf Sex schwindet dahin.
<< Aber keine Sorge, der wird uns schon nicht stören, >> sagt sie in beruhigendem Ton und legt ihre Hand auf meine Brust.
<< Ach, ja? >> frage ich verunsichert,
<< Ja, bleib ganz cool, der schläft wie ein Toter. >> sagt sie und küsst mich dabei auf die Wange. << Er wird nichts mitbekommen. >>
Ich willige mit einem komischen Gefühl ein, und als wir drin sind, bittet sie mich, auf einer alten schäbigen modrigen Couch Platz zu nehmen, während sie was zu trinken aus der Küche holt.
Die gesamte Einrichtung erweckt den Eindruck, als ob sie vom Sperrmüll eingesammelt wurde. Im ganzen Raum stehen Kakteen in den verschiedensten Größen und Formen.
Und von der Wand hängt ein eingerissenes Poster herunter, von einem Film, den ich nicht kenne. Es hängen uralte Vorhänge an den Fenstern, und insgesamt ist alles recht dunkel gehalten. Sehr deprimierend. Als sie mit den Getränken zurückkommt, ist sie bereits untenrum nur noch mit einem Slip bekleidet, wir fangen an zu knutschen. Und ich darf sie fingern, und sie unterbricht die Zungenküsse immer wieder mit leichtem Stöhnen. Bis auf einmal ihr Freund hinter uns steht. Als wir ihn bemerken, schrecken wir zurück, während er uns nur anstarrt.
<< Hey Schatz, >> sagt sie nervös.
Er sagt gar nichts, und läuft einmal um die Couch und bleibt vor uns stehen.
<< Schatz das ist Paul, Paul das ist mein Freund Richard. >>
<< Schön dich kennen zu lernen, >> stottere ich und strecke ihm die Hand zur Begrüßung aus, worauf er aber nicht eingeht.
Richard hat extreme Ähnlichkeit mit dem Sänger von A-HA, allerdings wie der Sänger noch in den 80ern aussah und auf Heroin oder so ist. Er ist recht groß und ziemlich dünn, trotz allem hat er kräftige Arme. Vielleicht Anfang 30 mit beginnender Faltenbildung , tiefen Augenringen und fettiger Haut. Er hat ein weißes Trägershirt und viel zu große Boxershorts, ebenfalls weiß, an. Er setzt sich zwischen uns auf die Couch, und sagt: >> So, so du bist also der Paul. <<
Er ballt seine rechte Hand zu einer Faust, und man hört seine Finger knacken. Ich bin mir sicher, dass ich gleich seine Faust zu spüren bekomme, und danach rausgeschmissen werde. Und Anna von ihm verprügelt wird, oder noch schlimmeres. Eine unbehagliche Spannung breitet sich im Raum aus, es herrscht Totenstille. Er fängt an, mich von oben bis unten zu mustern, und sein Blick wandert in meinen Schritt, wo er verharrt. Er leckt sich leicht über die Lippen, während ich wie gelähmt da sitze, nicht in der Lage mich zu bewegen. Anna zündet sich eine Zigarette an, und beobachtet uns.
<< Nett, wirklich nett, >> sagt Richard und wendet seinen Blick von meinen Schritt ab, schaut kurz auf den Boden, dann zu Anna und dann wieder auf meinen Schritt, was mich verwirrt. Er stöhnt leicht auf und sieht mir dann direkt ins Gesicht, und schmunzelt.
<< Na dann werd ich mir mal mein Loch eincremen, >> sagt er und zwinkert mir zu.
<< A-hm, >> ist alles was ich raus bekomme.
Richard lässt seine flache Hand auf mein Bein, Nähe des Schritts, fallen, steht auf und geht wieder ins Schlafzimmer. Anna beginnt zu kichern, drückt ihre Zigarette aus und sieht mich dann breit grinsend an.
<< Und, machst du mit? >>